Ich meinte zu wissen was ich wollte. Und ich meinte auch zu wissen wer ich bin. Doch im Alltag überstanden viele meiner Vorstellungen den Realität-Check nicht. Wenn ich entscheiden sollte, war ich unsicher. Wenn ich drohte Menschen, die mir wichtig waren, zu denen ich aufsah, zu widersprechen, knickte ich ein.

Mir fiel das lange gar nicht auf. Bis ich dann selbst Führungskraft wurde und in einer mir noch recht neuen Arbeitswelt auf einen Schlag die Verantwortung für 15 Standorte übernommen habe.

Es ging auf einmal nicht mehr nur darum, Alltagsentscheidungen für mich allein zu treffen. Es ging nicht mehr darum, privat Erwartungen zu erfüllen oder anderen Menschen so zu genügen, wie ich meinte, das es richtig sei. All das hatte nur Konsequenzen für mich. Doch nun ging es auf einmal darum, andere Menschen zu führen, Ziele zu erreichen, wirtschaftlich zu arbeiten! Das hatte Konsequenzen für andere – meine Teams und das Unternehmen.

Im Privatleben hatte ich bereits meine (unbewussten) Taktiken und Mechanismen entwickelt. Da kam ich klar. Doch im beruflichen Kontext griffen diese Schutzmechanismen nicht mehr.

Also was habe ich gemacht? Nicht geführt! Ich habe mich führen lassen!

Denn ich habe keine Entscheidung alleine getroffen, sondern andere gefragt. Ich habe Erwartungen abgefragt, mir erklären lassen wie richtige Führung funktioniert. Und ich habe gehört – auf so gut wie alles. Ich habe eine Rolle übernommen aber ich habe sie nicht ausgefüllt.

Anstatt mich authentisch zu zeigen habe ich versucht Wege zu gehen, die nicht meine waren, mich zu verhalten wie es nicht meins war. Und ich habe sogar Entscheidungen gefällt, weil andere sie für richtig hielten, selbst wenn sich diese für mich nicht stimmig anfühlten. Eine Rolle – eine Maske.

Das ging so lange gut, bis die Maske fiel, weil ich sie nicht mehr halten konnte. Denn innerlich wusste ich schon längst, dass dieser Weg nicht meiner war. Und im Außen zeigte sich auch, dass es so nicht weitergehen konnte. Denn meine Entscheidungen waren nicht gut. Ich bin unsicher aufgetreten anstatt meine Teams zu führen. Ich bin eingeknickt, statt an den richtigen Stellen mit konsequent zu bleiben. Ich habe gerettet anstatt zu zeigen. Ich habe Selbstverantwortung verhindert und bin dadurch selbst in eine absolute Überlastung gerutscht. Auch das ging erstmal gut. Bis mein Körper – und meine Mädels – STOP gesagt haben.

Und genau dort begann eigentlich mein Weg in die Selbstführung. Denn dann habe ich angefangen die Person im Leben zu führen, um die es geht – mich selbst. Seitdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Selbstführung – für mich persönlich und beruflich für Führungskräfte.

Ich habe gelernt, innere Klarheit zu finden und so Entscheidungen aus mir heraus zu treffen und konsequent umzusetzen. Wenn du deinen Weg klar vor Augen hast, kannst du auch andere Menschen sicher ans Ziel führen.