2000 km durch Deutschland – vom gewohnten Flachland in die für mich unendlich großen und imposanten Berge in Berchtesgaden.
14 Tage unterwegs – davon 4 Tage Seminar in den Bergen als Teilnehmerin. Und 10 Tage ich mit mir und meinem Bulli.
Den Traum Bulli habe ich mir einfach erfüllt, als es sich ergab. Ohne es jemals für mich getestet zu haben. Bisher war ich noch auf kleinen Strecken und mir bekannten Naturgegebenheiten unterwegs. Doch dieses Mal ging es durch Deutschland und damit auch durch Gebiete, die mich vermeintlich herausforderten: vor allem die Berge.
Voller Vorfreude setzte ich mich vor gut einer Woche in meinen Bulli. Neben Vorfreude begleitete mich ein riesiger Respekt. Ich – allein. Mit meinem Bulli. Ohne Erfahrung.
Die Geschichten in meinem Kopf wollten losgehen:
Was, wenn etwas kaputt geht? Was, wenn du nicht klarkommst? Was, wenn du das mit dem Fahren in den Bergen nicht hinbekommst? Was, wenn bei den Campingplätzen etwas nicht klappt, Unwetter ist…. All diese Gedanken, die mich früher 100%ig daran gehindert hätten loszufahren.
Doch dieses Mal bin ich gefahren. Ich habe mich bewusst entschieden, all diese Geschichten nicht zu glauben und und auf jeden Fall zu starten. Denn ich spürte, dass genau das nun dran war. Und so war es.
Im Sturzregen beim Edersee lernte ich, meine Markise möglichst schnell zu entwässern und mein Zelt zu sichern, das ohne Heringe stehen musste. Ich lernte die richtigen Wetterapps zu nutzen und mit den Rahmenbedingungen entsprechend umzugehen.
Die Handgriffe für den Umbau, Aufbau udn Abbau, saßen bereits nach dem ersten Stopp. Auch meinen Tag zu organisieren mit Wasser und Co und der Umgang mit Wetterumschwüngen gelang mir recht fix. Und – forderte mich weniger heraus als ich geahnt habe.
Und dann: Zeit mit mir. Ich war selten so sehr im JETZT: Auch, weil das Bulli-Leben das erfordert. Stärkerer Wind, also Kochen auf dem Gaskocher mit Aufsicht und Konzentration, Aufbauen, Abbauen, Organisieren. Und ich entdeckte etwas für mich: Stille und einfach wahrnehmen. Die Natur, die Menschen um mich herum. Kein Handy, keine Musik. Sondern der Moment.
In der Stille wurde es erst einmal laut. Denn Gedanken meinen ja dann das Feld übernehmen zu müssen. Doch dieses Mal nahm ich sie noch bewusster wahr als sonst und ließ sie wieder gehen.
Im Seminar habe ich viel gefühlt und gelernt und bin dann wieder allein zurückgefahren. Gold wert. Das Gewitter auf der Autobahn und der Stau schockten mich nicht mehr. Ich hatte schließlich schon die ganze Hinfahrt inklusive Radfahrern vor mir auf der Straße bei über 7% Steigung gemeistert.
In diesen 14 Tagen habe ich verstanden worum es geht: Um den Moment, in dem wir sind. Es geht darum uns selbst und dem Leben zu vertrauen. Und daraus Entscheidungen zu treffen. Auch wenn sie uns Angst machen.
Denn wenn wir etwas wirklich wollen, fällt es uns häufig leichter als gedacht und ist die Angst kleiner als im Vorfeld befürchtet. Und die Überwindung ist so ein geringer Einsatz im Vergleich zu dem, was wir dann bekommen: Wir erfüllen uns Wünsche, wachsen über uns hinaus und erleben Selbstwirksamkeit.
Das Spannende ist: Die Berge waren gar nicht das Thema. Auch nicht das Wetter oder der Bulli. Das eigentliche Thema war: Vertrauen.
Vertrauen, dass ich Lösungen finde. Vertrauen, dass ich mit neuen Situationen umgehen kann. Vertrauen, dass ich vorher nicht alles wissen muss.
Und genau das ist für mich Selbstführung.
Ständig rede ich darüber, dass Selbstführung in die Freiheit führt. und in diesen Tagen habe ich das selbst intensiv gelebt und gespürt.
Losgefahren bin ich mit Aufregung im Bauch und Gedanken im Kopf. Zurück bin ich nun seit fast einer Woche mit anhaltender Ruhe und Gelassenheit und noch mehr Klarheit und Selbstbewusstsein.