Der Ton macht die Musik

Der Ton macht die Musik - auch wenn es keiner hört...

Immer wieder begegnen mir im Netz Diskussionen über Mitarbeiterverhalten. Oder ich bekomme entsprechende Gespräche mit. Natürlich läuft nicht jeden Tag alles so, wie wir es uns von unserem Team wünschen. Natürlich kommt es zu unnötigen Reklamationen. Natürlich passieren aber auch Fehler  - denn wir sind alle Menschen. Es ist in Ordnung als Chef oder Führungskraft mit seinem Personal einmal nicht zufrieden zu sein. Es ist auch in Ordnung nach einem Fehler neue Anweisungen zu geben. Und - man darf sich auch einmal über wiederholtes Fehlverhalten aufregen. 

 

Die oder wir?

Entscheidend dabei ist jedoch WIE wir über unsere Mitarbeiter reden. Dass wir darauf achten wie wir MIT unseren Leuten sprechen, ist inzwischen bekannt. Aber es ist auch wichtig wie wir ÜBER bzw. VON unseren Mitarbeitern sprechen.

Immer wieder lese ich Äußerungen wie: "Denen habe ich erstmal eine Ansage gemacht." oder "Die beschweren sich über zu wenig Geld, aber 1000 Mal Pause am Tag machen und teure Nägel haben", "Die sollen mal ihren Job vernünftig machen" bis hin zu "Man findet eben nichts gescheites mehr."

 

Neben einer gewissen Wut in mir kommen bei mir folgende Fragen hoch: Wer hat denn "die" eingestellt?  Warum machen "die" denn nicht ihren Job? Haben "die" eventuell nicht die nötigen Handlungsfreiheiten und die nötigen Mittel, um ihren Job zu machen? Stehen "die" eventuell unter enormen Zeitdruck, da immer mehr verlangt wird? Wie wurde "denen" denn eine Ansage gemacht? Wurde mit ihnen vernünftig gesprochen und der Sinn erklärt oder gab es einen "Anschiss" ohne Nachfragen oder sogar nur eine schriftliche Arbeitsanweisung?

Und die wichtigste Frage: Wer sind überhaupt "die"?

 

Gemeinsam oder einsam

Wenn ich mich in meinem Wording (= in meiner Ausdrucksweise) bereits von meinem Personal distanziere, dann tue ich das im Alltag auch. Dann trete ich auch so auf wenn ich die Abteilungen betrete. Die Mitarbeiter werden spüren, dass sie nicht zu mir gehören. Wir strahlen aus was wir denken. Wenn wir also "denen" begegnen, dann zeigen wir ihnen automatisch, dass wir nicht zu ihnen zählen wollen.

Aber: Es geht nur gemeinsam. Wir haben schließlich das Personal selbst eingestellt. Unsere Aufgabe als Chef und Führungskraft ist es nun sie zu einem Teil unseres Unternehmens zu machen. Wir müssen mit ihnen arbeiten, sie entwickeln und gemeinsam zum Ziel führen.

 

Mitarbeiterbindung geht nur wenn wir unsere Mitarbeiter mitnehmen

Wir sind dafür verantwortlich wer für uns arbeitet. Wenn die Aufgaben nicht erfüllt werden, könnten wir uns und vor allem die Beteiligten, erst einmal fragen WARUM sie etwas nicht so tun wie wir es möchten. Vielleicht wussten sie gar nicht was wir wollten, da wir nie darüber gesprochen haben. Oft wird viel zu viel als selbstverständlich angesehen. Vielleicht stimmen die Rahmenbedingungen nicht.

Mitarbeiter können wir nur von uns begeistern wenn wir sie einbinden, sie nach ihren Bedürfnissen fragen und gute Rahmenbedingungen für die Arbeit schaffen. Ja, dazu gehören auch klare Regeln mit klaren Konsequenzen. Unser Interesse sollte aber immer sein: WIR alle gemeinsam zum Erfolg. Dafür haben wir unsere Mitarbeiter eingestellt. WIR geht nur durch Vorbild, einbinden, unterstützen und klare Linie fahren. Natürlich gibt es immer Regelbrecher, die ausbrechen, denen Gespräche egal sind, die auch im "die da" bleiben. Von "denen" müssen wir uns dann eventuell verabschieden. 

 

Wertschätzung - die schönste Melodie

Wie bereits gesagt ist es absolut legitim sich über seine Teams, einzelne Mitarbeiter auch einmal zu ärgern, aber wenn wir merken, dass "die" statt "unsere Mitarbeiter", "meine Teams", "wir" in Gesprächen ständig aufkommt, sollten wir unsere innere Haltung einmal überdenken. Indem wir in der Sprache positiv sind und wertschätzend bleiben, treten wir auch so auf. Dann erreichen wir weitaus mehr als wenn wir vergessen, dass wir alle in einem Boot sitzen.

Zudem macht "wir" viel mehr Spaß als sich allein in den eigenen Reihen durchzukämpfen. In diesem Sinne - lasst Wertschätzung den Ton angeben und schaut was dann alles geht.